DETAILANSICHT

Dringend Pflegestellen gesucht!

Wir sind immer auf der Suche nach liebevollen Pflegestellen. Hier gibt es einen sehr lesenswerten Pflegestellenbericht unserer lieben Sonja. Vielleicht bekommt der ein oder andere ja Lust einem Tierschutztier als Pflegestelle einen guten Start in ein neues Leben zu ermöglichen!?

 

,,Wie schaffst du das, diese Hunde wieder abzugeben?“ - ja genau, wie schaffe ich das eigentlich? Die Antwort ist eigentlich ganz simpel. Dachte ich.. und trotzdem sind wir nun zu viert, nicht mehr nur zu dritt.
 
Im Oktober 2017 brachte ich mir meine eigene Hündin mit. Meine erste Pflegehündin mit der Option bleiben zu dürfen. Doch irgendwie saß mir das Erlebte in Aksu noch ganz schön schwer in den Knochen und so entschieden wir uns, für gewisse Zeit, tatsächlich als Pflegestelle zu arbeiten. Ich sage bewusst ARBEITEN, denn das war es manchmal tatsächlich!

Mittlerweile sitzt hier neben mir gerade der vierte „Pflegehund“. Und irgendwie waren alle vier für mich Notfälle. Alle vier kannte ich noch aus Aksu und alle vier haben mich immer wieder zum Lachen und auch zum Weinen gebracht. Entweder weil die vierte Bettwäsche zerknabbert wurde ooooder weil so ein Abschied tatsächlich kein Zuckerschlecken ist! Das Erste ist tatsächlich nur ein Spaß, Zweiteres aber nicht:( 

Ich selber dachte auch immer, ich könnte diese Hunde nie wieder abgeben und ich habe auch bei jedem Einzelnen überlegt, was wäre, wenn ich sie einfach behalten würde!?

Aber irgendwie hatte ich dann das Glück, zu jedem einzelnen Hund, die perfekte neue Familie zu finden. Aber jeder, der mal eine Anzeige geschaltet hat, weiß wie schwierig es ist, aus all den Anfragen die Richtigen zu finden. Man schreibt viel, telefoniert lange, wartet und wartet... Manches ließ einen den Kopf schütteln, aber oft hatte ich auch wirklich nette Momente mit Interessenten. Ich entschied mich, weitestgehend eigenständig zu handeln, aber immer in Absprache mit meiner zuständigen Vermittlerin. Erstkontakt, erstes Telefonat und auch die ersten Treffen führte ich meist alleine durch, was aber niemand von mir verlangte. Schließlich wollte ich ja nur das Beste für meine Pflegemonster. 

Da gab es Honey (jetzt Frieda), ein zuckersüßes, schlankes Mäuschen. Der Tollpatsch in Hundeperson. Immer wenn ich an sie zurück denke, habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge. Es gab nichts, was sie weder mit dem Gesicht, mit dem Hintern, mit der Schnauze, Pfote, Brustkorb o.Ä. nicht berührt, umgeworfen oder angerempelt hat. Es gab keinen Hund, der öfter vom Bett, Sofa, Bank gefallen ist oder sich selber ein Bein gestellt hat. War jemand traurig, musste man sich nur Honey anschauen und man hat nach spätestens 4 Minuten nur noch Tränen vor Lachen in den Augen.

Dann kam Josie, die perfekte Begleiterin. Man musste nur aufpassen, dass man nicht mal die Leine verlor oder einem das Trommelfell platzte, weil sie - und das ist kein Scherz oder eine Übertreibung - geschrien hat, wenn wir nach Hause gekommen sind oder nur kurz zum Müll raus bringen vor der Tür waren. Auch sie fand ihr perfektes Zuhause:)

Und dann kam Stella (heute Anouk) zu uns und stellte uns vor ganz neuen Herausforderungen. Ich muss sagen, unser erster Hund gehörte auch zu den klassischen „Angsthunden“, fürchtete sich vor Allem und Jedem. Aber Stella war ein komplett neues Level für uns. Wir mussten uns damals schnell mit der Kommunikation der Hunde auseinandersetzen, lernen, was falsch und was richtig ist.
Natürlich nicht alleine, denn auch nach der Vermittlung hatten wir immer noch die selbe Ansprechpartnerin, welche immer gute und wirklich hilfreiche Tipps für uns hatte. Manni hat uns aber von Anfang an vertraut. Das tat Stella leider nicht. Sie verlor nach nur wenigen Stunden ihre 1. (eigentliche) Pflegestelle, wusste weder warum man sie schon wieder in die Box steckte und sie schon wieder die Reise antreten musste. Dann kam sie zu zwei völlig fremden Hunden (naja...Josie war nicht wirklich fremd für sie, denn sie lebten in Aksu im selben Rudel). Es dauerte Wochen, bis ich - als Frau (die haben es meist etwas einfacher als Männer) - ihr nicht mehr mit dem Rücken näher kommen musste, um sie anzuleinen.

Jedes mal wenn wir in ihre Richtung gingen, wich sie zurück. War zwar neugierig, aber wahnsinnig vorsichtig. Gerade Männer, Autos, Jogger und der Staubsauger bereiteten ihr viel Angst und Stress. Mittlerweile wussten wir, wie man mit diesen Hunden umgeht. Nämlich gar nicht! Wir ließen sie überwiegend „in Ruhe“, sprachen sie nie an, versuchten nie sie anzulocken oder ihr etwas aufzudrücken. Eigentlich möchte man alles tun, um diesem Hund zu gefallen. Man möchte sie streicheln und in den Arm nehmen, doch all das wäre für sie falsch gewesen. Das Wichtigste war zu dem Zeitpunkt, ihr Zeit zu geben und die Liebe, die sie in mutigen Momenten einforderte. Zeit und Liebe. Und viiiiel viel Geduld! Mein Freund sagt immer, es gibt einen Unterschied zwischen „einen Hund halten“ und „einen Hund führen“.

Sie lebte 8 Wochen bei - und - mit uns. Anfangs mit zwei anderen Hunden, irgendwann nur noch zu zweit. Meine unsouveräne Hündin Paula zeigte mal wieder, wie souverän und geduldig sie sein kann und wie einfach es für sie ist, Stella mit uns zu führen. So dauerte es zwar Wochen, bis Stella abrufbar war, sie sich ohne viel Stress auch von Fremden streicheln ließ, aber die Arbeit hat sich tatsächlich sowas von gelohnt! Stella ist übrigens die Schwester von Honey, welche sich bei mir Zuhause nach 3 Monaten Trennung wieder trafen und sich sofort erkannten. Es war, als hätte Honey ihr gezeigt wie man hier so lebt, dass wir Menschen nicht so schlimm wie befürchtet sind und so wurde sie schnell zu einer verspielten Schmuseeisbärin. Jagte Hundekumpels über Felder, lehnte sich zum Streicheln an meine Schulter und konnte mit bestem Gewissen an ein junges Ehepaar vermittelt werden, die keine Mühe oder Zeit scheuten, sie immer und immer wieder bei uns zu besuchen. Und auch sie hätte niemals ein besseres Zuhause finden können und genießt mittlerweile sogar das Leben in Gesellschaft fremder Menschen in fremden Umgebungen :)

Vier Bettbezüge, 3 Kissen, viele Spielzeuge (und ich dachte wirklich, manche davon wären unzerstörbar), 2 Bettlacken, ein Kugelschreiber und einiges an Kleidung, eine Holzkiste und viele andere Dinge später...oh ja, einen Junghund zu bespaßen ist nicht immer so einfach! Trotz mehrstündiger Spaziergänge, Training, Joggen und Toben mit anderen Hunden ...

Wir sind sehr dankbar über diese Erfahrung, legen eine kurze Sommerpause ein und hoffen, dass wir dann bald nach Jacks einleben, einen neuen „Aksulaner“ bei uns in Bad Oeynhausen begrüßen dürfen:)

Wer nun also Lust bekommen hat! Weitere Infos zu Pflegestellen finden Sie hier.