BESUCH ENDE MÄRZ 2018

Besuch Ende März 2018

Was sind schon 48 Stunden... 

Unsere liebe Judith war in Aksu und hat einen wundervollen Text geschrieben über die Gefühle, die man zu bewältigen hat, wenn man vor Ort ist. Jeder, der einmal vor Ort war, kennt es...es ist ein ständiges hin und her zwischen Freude und Leid!

48 Stunden in Aksu in der Auffangstation von Gemeinsam für Tiere e.V. sind Freude, Glück, grenzenlose Zuneigung, Wärme, Hoffnung, Verzweiflung, Tränen, Fassungslosigkeit und die Frage was in dieser Welt passieren muss, damit sich endlich was verändert?

Bepackt mit 50kg Futter und der Frage, was mich denn dieses mal erwarten würde, bin ich am Sonntag morgen nach Antalya aufgebrochen um 48 Stunden später mit 2 Hunden und einer Katze wieder nach Hause zu fliegen.

Eigentlich ein Grund zur Freude, wieder Drei, die es geschafft haben, Drei, die das große Los gezogen haben, endlich ein glückliches Leben zu führen.
Eigentlich... wenn da nicht 48 Stunden in Aksu dazwischen liegen würden.

Ich weiß ja was mich erwartet, denn ich war letztes Jahr schon mal eine Woche in Aksu um zu arbeiten und trotzdem weiß ich nicht was mich erwartet.
Es hat alles geklappt, der Flug verlief ruhig und Rosi wartete schon am Flughafen um mich abzuholen, wir gehen noch schnell was Essen und dann - Endlich angekommen...

Schon in der Einfahrt erwarten sie mich... Die vielen wundervollen Hunde, jeder mit der Hoffnung und Sehnsucht im Blick, vielleicht heute ein wenig Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhaschen. Einige sind mir nicht fremd, ich kenne sie noch vom letzten Jahr. Es stimmt mich traurig, dass sie noch immer hier sind und auf ihre Menschen warten.

Ich hab keine Zeit zum nachdenken, schnell ein paar Streicheleinheiten verteilt, einige neue Tiere kennengelernt und dann war der Tag eigentlich auch schon zu Ende. Wir gehen schlafen, denn ich weiß dass die Tage in Aksu lang sind und eigentlich doch zu kurz...

Nach einer unruhigen Nacht fängt unser Tag Früh an, einer der Arbeiter ist krank, also kurze Instruktionen und ich fange an die Gehege zu säubern...
Überall werde ich stürmisch begrüßt, überall möchte jeder ein Stück vom Glück! Ich versuche ein paar Streicheleinheiten zu verteilen und ich bin wieder traurig, dass ich nicht mehr Zeit habe und ich würde ihnen gerne zuflüstern "ich komme später nochmal", aber ich weiß dass in Aksu die Tage lang und doch zu kurz sind... Also ziehe ich weiter mit meinem Leiterwagen zum nächsten Gehege.

So viele mutterlose Welpen, so viele kranke Tiere und ich wünschte ich hätte etwas mehr Zeit zum verweilen, aber die Tage sind kurz. Ich gehe ins nächste Gehege und wieder ein vertrautes Gesicht... Ich bin traurig, weil auch er immer noch nicht seine Menschen gefunden hat, dabei ist er einfach wundervoll... Ich setze mich zu ihm, er lehnt sich vertraut an mich und es fühlt sich so an, als wäre ich erst gestern hier gewesen, aber nein, es ist schon fast ein Jahr und er ist immer noch hier. Wie gerne würde ich ihm sagen, dass auch er dieses mal einer derjenigen ist, die das große Glück haben und fliegen dürfen... aber er wartet weiter mit der Hoffnung in seinen Augen.

Es ist Zeit, die Tage sind kurz, ich drücke ihn noch einmal fest an mich und ziehe weiter mit meinem Leiterwagen.
Ich komme an Zwingern vorbei mit kranken Tieren, geschlagen, angefahren, liegen gelassen... traumatisiert. Ich weiß dass ein Tierleben hier meist nicht viel bedeutet und ich versuche jedem wenigstens eine Minute Zeit zu schenken und ihnen etwas von der Liebe zu geben, die sie verdienen. Sie wollen mehr und wie gerne würde ich, aber die Tage sind kurz.

Ich muss die Boxen vorbereiten, für die, die morgen mit mir nach Hause fliegen dürfen. Ich bereite alles vor und immer wieder werde ich angestupst ob ich vielleicht noch ein bisschen Zeit und ein bisschen Zuwendung übrig hätte... Ich knuffle kurz und schiebe ihn beiseite, denn der Tag ist kurz.
Nachmittags fahren wir zum Amt, um die Papiere für die Ausreise vorzubereiten. Wir sind gut in der Zeit, aber für heute haben sie keine Lust mehr zu arbeiten und gehen nach Hause. Ich bin fassungslos und hoffe inständig, dass morgen alles klappt und ich die Tiere auch wirklich mitnehmen kann.
Unverrichteter Dinge fahren wir zurück, ich baue noch ein paar Boxen zusammen, für die, die als nächstes das Glück haben endlich fliegen zu dürfen und ich bin traurig, weil ich weiss, wieviele weiter warten werden.

Es beginnt zu dämmern und ich husche nochmal schnell in das ein oder andere Gehege um ein paar Streicheleinheiten zu verteilen, ich würde gerne länger bleiben und dabei hab ich noch nicht mal alle gesehen, aber der Tag war zu kurz.
Ich bin müde, erschöpft, meine Finger schmerzen und traurig falle ich ins Bett, denn der Tag morgen wird lang und doch zu kurz.

Der Abreisetag ist da, wir bereiten alles vor, er herrscht Chaos, denn nie läuft alles nach Plan. Ich packe meine Sachen, knuffle ein letztes Mal die liebgewonnenen Katzen, die mir die letzten beiden Nächte Gesellschaft geleistet haben und ich ich bin glücklich, dass auf ein Teil von ihnen schon ihre Menschen warten und ich bin traurig, dass andere weiter warten... wie gerne würde ich ihnen sagen, dass ihre Menschen da draußen schon warten. Ich muss los... einem Hund geht es sehr schlecht, wird er es schaffen? Wie gerne würde ich jetzt bei ihm bleiben und die Liebe geben, die er in diesem Leben noch nicht erfahren durfte, aber ich hab keine Zeit, der Tag ist kurz.

Wir müssen los, das Flugzeug wartet nicht auf mich und zum Amt müssen wir auch noch. Also verabschiede ich mich bei all den lieb gewonnen Tieren und ich wünsche mir, dass auch sie alle ihre Menschen finden, denn ein Tag in Aksu ist lang und doch zu kurz.

Die Tiere eingepackt, zum Glück geht heute beim Amt alles gut und wir sind pünktlich am Flughafen, trotzdem bin ich nervös, ob alles klappt.
Die Tiere sind eingecheckt, ich verabschiede mich schnell von Rosi, wir eilen beide weiter, weil das Flugzeug auf mich nicht wartet und Rosi's Tage in Aksu sind kurz.
Endlich im Flugzeug fällt der erste Stress von mir ab... Ich freue mich dass ich ein bisschen helfen konnte und wieder bin ich traurig, ob der vielen die ich zurück lassen musste, der vielen für die keine Zeit blieb, für etwas Pflege, Liebe und Zuwendung...

Es bräuchte so viel mehr, die ein bisschen Zeit, Motivation und Liebe übrig hätten, dann wären die Tage in Aksu vielleicht lang, aber nicht ganz so kurz...

48 Stunden sind vergangen, wie im Flug, wieder stehe ich in Stuttgart, im Gepäck, die, die das große Glück gefunden haben. Wir haben den Flug gut überstanden und wir werden schon sehnsüchtig erwartet... denn es gibt da Drei, die hatten Glück!

Und ich fahre jetzt wieder nach Hause, lasse meine Gedanken schweifen.

Was sind schon 48 Stunden... In Aksu sind sie Freude, Glück, grenzenlose Zuneigung, Wärme, Hoffnung, Verzweiflung, Tränen, Fassungslosigkeit und die Frage was in dieser Welt passieren muss, dass sich endlich was verändert?